Meterhoher massiver Stahl, dunkle Schächte, Rohrleitungen und Funkenflug bei Schweißarbeiten – das klingt wie die perfekte Kulisse für ein Heavy-Metal-Konzert. In der Realität ist es allerdings der tägliche Arbeitsort der Zweigstelle Umwelt und Recycling unserer EUROVIA Niederlassung Berlin-Potsdam.
Deutschlandweit ist die Zweigstelle tätig und übernimmt Arbeiten im Bereich Kampfmittelräumung, Abbruch und Bodensanierung für interne und externe Auftraggeber. Im Auftrag der Berliner Energie und Wärme AG (ehemals Vattenfall Wärme Berlin) führt sie in einer ARGE mit Mende Schornsteinbau GmbH & Co. KG und Sven Hartenstein Industrieabbruch GmbH Abbrucharbeiten am Heizkraftwerk Klingenberg mitten in Berlin durch.
Der Hintergrund: Das Land Berlin hat beschlossen, bis 2050 klimaneutral zu sein. Gemeinsam mit Vattenfall wurde somit der Ausstieg aus der Kohle vereinbart. 2017 war somit Schluss nach über 30 Jahren, in denen Braunkohle am Heizkraftwerk Klingenberg verfeuert wurde, um Fernwärme und Strom zu produzieren. Stattdessen setzt man zukünftig auf das weniger klimaschädliche Erdgas als Brennstoff. In die Modernisierung der am Standort vorhandenen Gas-KWK-Anlagen hat Vattenfall 100 Millionen Euro investiert.
Entkernt und abgerissen wird deshalb der Teil des Heizkraftwerks, in dem vormals Braunkohle verbrannt wurde. Dazu gehört unter anderem das mehr als 58 Meter hohe Kesselhaus, der Schornstein, die Rauchgas- und Filteranlagen sowie ein altes Gebäude für die ehemalige Betriebsfeuerwehr. Wer denkt, dass hier im großen Stil Abrissbirnen oder gar Sprengstoff zum Einsatz kommt, der irrt. „Unsere Abbrucharbeiten laufen, während nebenan das Heizkraftwerk weiter Wärme produziert. Große Erschütterungen und Staubemissionen müssen wir also penibel vermeiden, um den laufenden Betrieb nicht zu stören. Es gilt also, während unserer Arbeiten die Standsicherheit des Gebäudes zu wahren und die teilweise denkmalgeschützten Nachbarbebauung zu schützen“, erklärt Michael Brosin, Projektleiter der Zweigstelle Umwelt und Recycling.
Ein weiterer Grund: In dem Kraftwerksblock aus den 1980er Jahren kamen viele Materialien mit gesundheitsschädlicher Wirkung wie etwa Künstliche Mineralfaser (KMF) oder Asbest zum Einsatz. Michael Brosin: „Wir müssen also sehr vorsichtig sein. Die Mitarbeitenden vor Ort sind mit der entsprechenden PSA ausgestattet und müssen entsprechende Regelungen für Gefahrenstoffe strikt beachten. Bei ihrer Arbeit gehen sie deshalb Stück für Stück vor und demontieren beispielsweise erst einmal die Isolierschichten, bevor der Stahl zerlegt und ausgebaut werden kann. So sind wir auch in der Lage, die Stoffe vorschriftsmäßig voneinander zu trennen und sie fachgerecht zu entsorgen.“
Für die Arbeiter auf der Baustelle bedeutet das eine sehr kleinteilige Arbeit. Bei dem Kesselhaus wurden beispielsweise beide der rund 40 Meter hohen Kessel durch Schweißbrennen in kleine Einzelteile zerlegt und abtransportiert. Sechs Monate haben die Arbeiten für den ersten Kessel gedauert, die Arbeiten am zweiten Kessel sind seit Ende Juli 2024 nahezu abgeschlossen. Rund 8.000 Tonnen Stahl sind im Kesselhaus insgesamt verbaut – eine Menge Arbeit also.
Aber die Abbrucharbeiten gehen gut voran. Ende 2024 soll alles abgerissen sein. Was auf dem neuen Gelände gebaut wird, ist derzeit noch in Planung. In jedem Fall sollen „die Abbrucharbeiten notwendigen Platz für neue Technologien zur klimaschonenden Wärmeerzeugung schaffen“, so ein Sprecher der Berliner Wärme AG.
Mit dem hochkomplexen Projekt leistet die Zweigstelle Umwelt und Recycling also einen großen Beitrag zur Reduzierung umweltschädlicher Emissionen und schafft Platz für Zukunftstechnologien.